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Page:Thurneysen Handbuch des Altirischen 1 Grammatik.pdf/121

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§ 165. 166.]
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Färbung der Konsonanten.

‘springt’ (Abstr. irchlige, später belegt cuclaige u. cuiclige) etwas zu weit ab, als daß man Be­einflus­sung von dieser Seite annehmen möchte. Ein Gsg suibi erscheint Ml 47 d 2 zum Nsg subæ ‘Jubel’, D subu. Vgl. cuicce ‘zu ihr’ Wb neben cucae Sg (§ 432). Da alle diese Beispiele ein u in der vorher­gehenden Silbe zeigen, könnte man vermuten, daß etwa dialek­tisch hier die De­palatali­sierung unter­blieb; doch fehlt einst­weilen eine Bestäti­gung aus den modernen Dialekten.

Poetisches áige statt ágae ‘Stütze’ kann dagegen Archaismus sein.

166. Im Anlaut schwachbetonter Silben, die u‑farbig schließen, nehmen die ursprüng­lich palatali­sierten Guttu­ralen und Labialen meist selber u-Färbung an, z. B. ·adamrugur ‘ich wundere mich’ für *·adam­raigiur, III sg ·adam­raigedar; su(i)digud ‘Setzen’ aus ‑igithᵘ; ammus ‘Absicht’, tomus ‘Maß’ von ad, to und mess (Stamm messu‑), die freilich auch nach § 168 u. 165 zu erklären wären; ro·laumur ‘ich wage’ Wb 17 a 8 zur III sg ro·laimethar (aber archaisch noch ru·laimur Wb I 17 c 21 mit μ); irdorcu irdurcu erdarcu airdircu ‘sicht­barer, klarer’ (Kom­parativ­suffix ‑iu).

Lautet aber die vorher­gehende Silbe palatal aus, so findet man auch in der folgenden die palatale Färbung zuweilen bewahrt, z. B. ·toris­nigiur ‘ich vertraue’ Ml 126 d 19 neben ·isligur ‘er­niedrige’ Wb 17 d 22, ·cairigur ‘tadle’ 11 d 1; tigiu ‘dicker’ Ml 20 b 1 neben gliccu ‘klüger’ Wb 26 d 26; imdibiu Wb 2 a 3 neben häufige­rem imdibu, Dsg zu imdibe ‘Be­schnei­dung’; ·epiur ‘ich sage’ Wb 4 b 26, gewöhn­lich ·epur. Die Fälle mit Palatal dürfen noch zahl­reicher angesetzt werden, da der Zwischen­vokal i in der Schrift oft un­bezeich­net bleibt (§ 92).

Sie können alle analogischer Art sein, z. B. imdibiu, ·torisnigiur mit dem palatalen Konso­nanten der andern Kasus oder Personen, tigiu nach andern Kompa­rativen, ·epiur nach dem deutero­tonierten as·biur und so fort. Aber daß die Färbung der vorher­gehenden Silbe beim Aufkommen der Form eine Rolle spielt, ist nicht zu bezweifeln. Beispiele anderer Gestalt wie laigiu ‘kleiner’ Sg Ml neben älterem lugu (vgl. lagat ‘Kleinheit’) sind ver­einzelt.