Jump to content

Page:Thurneysen Handbuch des Altirischen 1 Grammatik.pdf/122

From Wikisource
This page has been proofread.
102
[§ 167. 168.
Lautlehre. — Die Konsonanten.

167. Daß die Depalatalisierung manchmal durch Analogie hervor­gerufen ist, zeigen deutlich doraid ‘schwierig’ und soraid ‘leicht’ zu réid ‘eben, glatt’. Die Partikel­formen do- so‑, ursprüng­lich vor dunklen Silben aus du- su- ent­wickelt (§ 69), können nun bei Neu­bildungen ihrer­seits folgende Konso­nanten depalata­lisieren. Denselben Vorgang zeigt das Negazions­präfix am‑ in amaires ‘Unglaube, Zweifel’ zu ires. So viel­leicht auch z. B. ud in con·utuinc, ·utaing ‘baut’ (·ud-ding‑), Perf. con·rótaig.

In welchem Umfang solches anzunehmen ist, ob z. B. in do·fo-nug, do·fo-nuch ‘ich wasche’ (·fo-nig‑), Fut. do·fo-nus die Präp. fo (statt fa) an dem nicht-palatalen ν schuld ist, läßt sich schwer ent­scheiden wegen der § 168 zu be­sprechen­den Er­scheinun­gen.

168. Es muß nämlich noch mehr Fälle gegeben haben, in denen die Palatali­sierung regel­recht auf­gegeben wurde. Das zeigen z. B. achad für arch. ached ‘Feld’, calath calad ‘hart’ gegenüber mittel­kymr. calet breton. kalet.

Vielleicht darf man annehmen, daß beliebige Konso­nanten im Silben­anlaut nach a- und o‑Vokalen (auch úa) ihre palatale Färbung aufgaben, wenn ihre eigene Silbe mit einem dunklen oder u-farbigen Konso­nanten schloß. Viele Aus­gleichun­gen müßten schon in alter Zeit statt­gefunden haben, was das starke Schwanken erklären würde. Z. B. úaithed ‘Einzahl, geringe Zahl’ nur Wb 25 a 38, sonst überall úathad (óthad); ursprüngliche Flexion etwa NA úathad, G úaithid, D úathud (óthud). Oder ursprüng­lich *amaras ‘Unglaube, Zweifel’ (neuir. amhras in Munster), DA amairis; dann durch ver­schiedene Aus­gleichung der N amaires (vgl. neuir. aimhreas in Connaught), DA amarais (nur Ml 97 d 13).

So kann man erklären: adall ‘Hinzugehen’, Verb ad·ella; inotacht ‘Hineingehn’ aus in-od-techt (die dunkle Konsonanz ver­schleppt, z. B. I pl Subj. in·otsam = ·tiasam); ·accat ‘sie sehen’ (deutero­toniert ad·cïat), darnach III sg ·accai neben ·aicci und weiter do·écai ‘blickt’ neben ad·déicider Ml 43 a 19; im·rádaim ‘ich bespreche, denke’