167. Daß die Depalatalisierung manchmal durch Analogie hervorgerufen ist, zeigen deutlich doraid ‘schwierig’ und soraid ‘leicht’ zu réid ‘eben, glatt’. Die Partikelformen do- so‑, ursprünglich vor dunklen Silben aus du- su- entwickelt (§ 69), können nun bei Neubildungen ihrerseits folgende Konsonanten depalatalisieren. Denselben Vorgang zeigt das Negazionspräfix am‑ in amaires ‘Unglaube, Zweifel’ zu ires. So vielleicht auch z. B. ud in con·utuinc, ·utaing ‘baut’ (·ud-ding‑), Perf. con·rótaig.
In welchem Umfang solches anzunehmen ist, ob z. B. in do·fo-nug, do·fo-nuch ‘ich wasche’ (·fo-nig‑), Fut. do·fo-nus die Präp. fo (statt fa) an dem nicht-palatalen ν schuld ist, läßt sich schwer entscheiden wegen der § 168 zu besprechenden Erscheinungen.
168. Es muß nämlich noch mehr Fälle gegeben haben, in denen die Palatalisierung regelrecht aufgegeben wurde. Das zeigen z. B. achad für arch. ached ‘Feld’, calath calad ‘hart’ gegenüber mittelkymr. calet breton. kalet.
Vielleicht darf man annehmen, daß beliebige Konsonanten im Silbenanlaut nach a- und o‑Vokalen (auch úa) ihre palatale Färbung aufgaben, wenn ihre eigene Silbe mit einem dunklen oder u-farbigen Konsonanten schloß. Viele Ausgleichungen müßten schon in alter Zeit stattgefunden haben, was das starke Schwanken erklären würde. Z. B. úaithed ‘Einzahl, geringe Zahl’ nur Wb 25 a 38, sonst überall úathad (óthad); ursprüngliche Flexion etwa NA úathad, G úaithid, D úathud (óthud). Oder ursprünglich *amaras ‘Unglaube, Zweifel’ (neuir. amhras in Munster), DA amairis; dann durch verschiedene Ausgleichung der N amaires (vgl. neuir. aimhreas in Connaught), DA amarais (nur Ml 97 d 13).
So kann man erklären: adall ‘Hinzugehen’, Verb ad·ella; inotacht ‘Hineingehn’ aus in-od-techt (die dunkle Konsonanz verschleppt, z. B. I pl Subj. in·otsam = ·tiasam); ·accat ‘sie sehen’ (deuterotoniert ad·cïat), darnach III sg ·accai neben ·aicci und weiter do·écai ‘blickt’ neben ad·déicider Ml 43 a 19; im·rádaim ‘ich bespreche, denke’