Page:H.M. Zwischen den Rassen.djvu/307

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„Glücklicherweise wollen Ihre Minister endlich die Ehescheidung einführen.“

Botta bat:

„Nur das nicht. Wenn die Scheidung, was Gott verhüte, Gesetz wird, sind wir verloren.“

„Sie machen wirklich ein ganz betretenes Gesicht. Solche Angst haben Sie vor den Frauen?“

„Im Gegenteil,“ versicherte Botta. „Ich habe Angst für sie. Denn sie zuerst werden unter dem Gesetz leiden: haben sie doch wenig Urteil, die Armen. Sie werden, kaum daß etwas sie ärgert, aus der Ehe laufen. Dann meiden alle sie, und sie verkommen.“

„Schon jetzt,“ begann Deneris, „sitzt die Caputi allein in den Konditoreien, und sie ist nur getrennt. Was werden erst die Geschiedenen tun!“

Nutini bemerkte:

„Ein Sodom und Gomorra wird entstehen. Wir jungen Leute werden uns nicht darüber zu beklagen haben.“

Deneris aber klagte:

„Uns wird die poetischste Sache verloren gehen, nämlich unsere unbedingte Ehrfurcht vor der Frau, die in der Ehe unantastbar und die Erste ist.“

„Ich hätte meine Mutter nicht achten können, wenn mein Vater sie hätte entlassen dürfen!“ rief Botta.

„Gut, Advokat!“ machte Nutini.

„Die Frau, die geschieden werden kann, wird man vielleicht nicht einmal mehr zuerst grüßen,“ fürchtete Deneris. Cavà rief entschlossen:

„Ich werde sie grüßen!“

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