Page:H.M. Zwischen den Rassen.djvu/151

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„Erschrick nicht! Woher ich das weiß? Du sahst grade nach ihm hin.“

Tinis Blick hatte mit solcher schwermütigen Schwärmerei an seinen hohen Schultern gehangen. „Darum,“ erkannte Lola, „ihre Angst, vorhin bei dem Riesen, als sie ihn in Gefahr sah.“

„Das muß interessant sein,“ sagte sie. Da trennte die Baroneß Thekla sich von ihren Freunden, lief — und ihr kurzer roter Rock flatterte — Lola entgegen und schwang den Arm über ein entferntes Kornfeld hin.

„Morgen in der Früh gehts da droben wieder an die Arbeit!“

„Was für eine Arbeit?“

„Ans Kornschneiden. Ich bin allweil draußen mit die Knecht’ und Mägd’. Mich nennen’s die Oberdirn … Ja, das wundert Sie. Aber meine Großmutter war ja eine Bäuerin und hat drunt im Mühltal ihren Hof gehabt. Ich bin ein richtiges Bauernblut, und in der Stadt freut’s mich nicht.“

„Renommiert die Baroneß schon wieder?“ fragte Gwinner, der sich umdrehte.

„Mir ist’s ernst,“ erklärte sie; und er, nachgiebig:

„Ich weiß, bei Ihnen kommt’s von Herzen.“

Tini lachte Beifall:

„Schon wieder!“ flüsterte sie, vor Stolz errötet, Lola zu. „Ist er geistreich! Sie hat ja eine unglückliche Liebe; darum kommt bei ihr das Bauerngetue ,von Herzen‘!“

Gwinner merkte erst jetzt, daß er einen Witz gemacht hatte, und dankte mit den Augen.

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