Page:H.M. Die kleine Stadt.djvu/264

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„Ich bin ruiniert!“ kreischte Nonoggi und rannte einem Jungen nach, der mit dem Zopf davonlief.

Polli nickte ernst.

„In einem hat der Priester nicht unrecht: die guten Sitten sind bei uns sichtlich im Schwinden begriffen. Man weiß nicht, wen er mit der großen Babel gemeint hat, die er so viele Male verflucht hat…“

„Die große gelbe Choristin wird er gemeint haben“, schlug Giocondi vor und stieß Polli vor den Magen.

„Man muß zugeben,“ erklärte der Gevatter Achille, „als ich heute früh meinen Laden aufmachte, fand ich auf dem Sofa ein Liebespaar, das bei mir die Nacht verbracht hatte.“

„Auch ich habe eins überrascht“, sagte der Tabakhändler, „auf meiner Treppe, wie ich heimkam.“

Giocondi erhob die Handfläche gegen ihn.

„Fange nicht davon an! In meiner Gasse: — ich versichere euch, daß man darauf tritt. Und ich spreche noch nicht vom Hof des Rathauses, wo es so dunkel ist.“

Sie platzten aus; sie mußten sich auf die Knie stützen.

In diesem Augenblick kam der kleine Uralte vorbei, vor sich hinlächelnd, mit einem dünnen Trällern.

„Brabrà!“ schrie der Herr Giocondi. „Auch er war unterwegs heute nacht, und ich bürge euch dafür, daß er manches zu sehen bekommen hat. Noch immer amüsiert er sich darüber.“ Der Barbier tanzte vor Nello umher; er verzog den Mund zum Weinen.

„Sie werden begreifen, mein Herr: ich habe eine Familie zu ernähren, und wenn der Herr darauf besteht, mich zu ruinieren, dann bleibt mir nur übrig, allen Leuten zu sagen, was ich weiß…“

Dabei hielt er an und spähte dem jungen Mann von unten in die Augen. Die Frauen sahen aus den Fenstern: Nello

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