Page:H.M. Die kleine Stadt.djvu/265

From Wikisource
Jump to navigation Jump to search
This page has been proofread.


stand, die Hände auf den Hüften, und lachte, daß es wie Gesang klang. Die andern lachten mit.

„Und der Advokat!“ brachte Polli hervor. „Man weiß wohl, warum er an diesem wichtigen Tage noch nicht auf dem Platz ist. Er hat die ganze Zeit in seinem Studierzimmer zu tun. Er sitzt, weil es warm ist, in Unterhosen an seinem Schreibtisch und empfängt die kleinen Choristinnen, die um einen Vorschuß bitten…“

„Ah! ihr Schweinigel, was singt ihr da?“ rief donnernd der Gevatter Achille.

„Sie wird vielleicht das Leben kosten, die kostbare Nacht“, sang die Rotte von Buben, aber mit veränderten Worten, und marschierte im Eilschritt vorbei. Nello Gennari folgte ihnen lachend um den Platz. Vor dem Hause des Kaufmannes Mancafede riß es ihn zurück: im ersten Stock hatte ein Fensterladen sich bewegt; und Nello stand, sein letztes Lachen noch im Halse, blinzelte scheu und hatte eine lange, ermattete Miene.

„Die Unsichtbare! Ich hatte sie vergessen, sie aber hat mich immer im Auge behalten. Sie kennt meine Schritte, sie weiß auch, wohin ich den letzten tun werde. Wohin? Wohin?“ — und er richtete einen leidenschaftlichen Blick auf die Dunkelheit zwischen den Brettern des Ladens. Gleich darauf, den Hals abgewendet, die Hand gespreizt:

„Nein! Nichts sagen! Lieber sterben, wenn es sein müßte: sterben, ohne zu wissen … Aber sterben?“

Er verschränkte die Arme, senkte das Gesicht auf sie, und ein Schauder durchlief ihn heftig.

„Albas Hände nicht länger um meinen Kopf spüren, noch den Geruch ihrer feuchten Haut je wieder einatmen; ihr Lächeln, dies weiße Feuer, nie mehr brennen fühlen … Ich hätte gestern sterben sollen: gestern war es zu ertragen … Welche Angst, wie viele Gefahren! Und ich konnte lachen? Nonoggi

257