Page:Ihre galanten abenteuer.djvu/23

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Nun war es plötzlich in ihr erwacht, was bisher in ihr geschlummert hatte … was nur manchmal dunkel und unbestimmt an die Herzwand gepocht hatte: ein fremdes Sehnsuchtsgefühl, das ihr manchmal in schwülen Sommernächten den Schlaf genommen hatte.

War das die Liebe? Das Übermächtige, Menschheitsbeglückende, von dem die ganze Welt bis in den verborgensten Winkel erfüllt war?

Als er sie in seinen Armen gehalten, da hatten sie süßeste Wonneschauer durchrieselt. Eine Lust war durch ihre Adern gejagt, die sich immer mehr erhitzte — und immer wonniger wurde. Hatte sie nun schon das Höchste, das Köstlichste erlebt? Oder gab es noch Schöneres? Ihr Herz schwoll vor Lust und Sehnsucht, auch noch das Letzte und Tiefste auskosten zu dürsen.

Franz Kober saß und hielt krampfhaft sein Glas umfpannt. Auch er hatte die Maske abgelegt und zeigte nun sein etwas weiches, schönes Antlitz mit dem schwarzen Bartanflug unter der leicht gebogenen Nase. In einer Mischung von mühsam niedergehaltener Leidenschaft und heißem Begehren starrte er in das flammende Gesicht Mizzis, sah in ihre dunklen Samtaugen. —

„Liebst du mich, Mizzi?“ fragte er leise mit bebender Stimme. Sie senkte tief das Köpfchen und hauchte ein verschämtes „Ja!“

Da siel er sie an wie ein brausender Frühlingssturm, der junge Bäume knickt und Lust und Verderben um sich ausstreut. Er riß sie an sich mit einem unterdrückten Jubellaut und

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