Page:H.M. Die Armen.djvu/90

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„Vor dem Techniker schäme ich mich nicht. Vor den Herren von Villa Höhe würde ich mich schämen müssen.“

Sie war auf einmal außer sich. Tränen stürzten über ihr Gesicht, sie rang die Hände und klagte.

„Denke doch nur das nicht, lieber Karl! Blind will ich werden, wenn ich das tue! Und ich glaube auch, daß du gewinnst und uns reich machst. Bei Gott, ich glaube es.“

Sie umschlang ihn heftig, auf sein Gesicht, das noch starr blieb, drückte sie ihre Lippen. Da bekam es Leben, öffnete sich, strahlte.

„Verlaß dich auf mich!“ Er drückte ihr die Hand, immer wieder. „Verlaß dich auf mich!“

So ging sie, und er setzte sich an seinen Tisch.

Dort saß er alle Winternächte. Die Arbeit getan in der Fabrik, erfrischte ihn diese andere. Er ward hellhörig in der vereisten Weite der Felder vor seinem Fenster. Kein Geräusch des ungeheuren Hauses nahm ihn mehr in Anspruch, nur aus dem kleinen Buch hier drang zu ihm eine Stimme, seine eigene. Er lernte nicht mehr, den Kopf in die Hände gebohrt, das Wissen Fremder. Ihm schien es, er selbst, von einem zum andern, erfinde und denke weiter. Sein Kopf befreite sich; und endlich als einziger wachend, empfand er manchmal mit aufsteigendem Jubel das Werden der Kraft.

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