Page:H.M. Der Untertan.djvu/282

From Wikisource
Jump to navigation Jump to search
This page has been proofread.


Jadassohn schneidend; da sagte Käthchen: „Und von wem auch nicht.“

Die Herren setzten die Gläser hin. Käthchen hatte es aufgegeben zu weinen, sie schob sogar den Schleier hinauf und sah mit merkwürdig hellen Augen von einem zum andern. Ihre Stimme hatte etwas Offenes, Unverblümtes bekommen. „Na ja, wenn Sie nun doch mal beide da sind“, setzte sie hinzu, indes sie aus Jadassohns Dose eine Zigarette nahm; und dann leerte sie auf einen Zug den Kognak, der vor Diederich stand. Jetzt war es an Diederich, nach Fassung zu ringen. Jadassohn schien nicht unbekannt mit Käthchens anderem Gesicht. Die beiden fuhren fort, Doppelsinnigkeiten auszutauschen, bis Diederich sich gegen Käthchen entrüstete. „Heute lernt man Sie aber gründlich kennen!“ rief er und schlug auf den Tisch. Sofort hatte Käthchen ihr Damengesicht zurück. „Was meinen Sie eigentlich, Herr Doktor?“ Jadassohn ergänzte: „Ich nehme an, daß Sie der Ehre der Dame nicht zu nahe treten wollen!“ — „Ich meine nur,“ stammelte Diederich, „so gefällt Fräulein Zillich mir viel besser.“ Er rollte die Augen vor Ratlosigkeit. „Neulich, wie wir uns beinahe verlobt hätten, hat sie mir nicht halb so gefallen.“ Da lachte Käthchen los: ein Gelächter, ganz frei aus dem Herzen, wie Diederich es auch noch nicht kannte. Ihm ward warm dabei, er lachte mit, Jadassohn auch, alle drei wälzten sich lachend auf ihren Stühlen umher und riefen nach mehr Kognak.

„Nun muß ich aber gehen,“ sagte Käthchen, „sonst kommt Papa vor mir nach Haus. Er hat Krankenbesuche gemacht; dabei verteilt er immer solche Bilder.“ Sie zog zwei bunte Bildchen aus ihrer ledernen Tasche. „Da haben Sie auch welche.“ Jadassohn bekam die

276