Page:H.M. Zwischen den Rassen.djvu/281

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„Auch ich habe dir so etwas schon manchmal verweisen wollen, Lola.“

Plötzlich fuhr Lola auf, als habe sie nun verstanden.

„Wie kann ich denn Sie —“

Aber sie nahm sich zusammen und sah lächelnd und mit Kopfschütteln zum Fenster hinaus.

Bei der Ankunft wollte sie zu Fuß gehen, mußte aber, denn ein Auftritt drohte, in den Omnibus steigen. Die Hotelzimmer, die Pardi seinen Damen zugedacht hatte, waren am Abend vergeben. Lola sah ihn bei der Gelegenheit zum erstenmal in Wut; sie dachte: „Gut, daß ich ihn kennen lerne.“ Der Wirt war trostlos, die Kellner traten mit den Zehen auf. Mai und Lola saßen, von neugierigen Badegästen umringt, im Salon, wie feindliche Fürstinnen, denen ihr Marschall die Unterwerfung der Völker erzwang, und die ihm mit ebensoviel Angst wie Stolz dabei zusahen.

Er erreichte, daß die Fremden die Zimmer räumten. Dafür wurden Mai und Lola beim Lunch mißbilligend gemustert. Pardi sah den Männern nacheinander in die Augen, die auf einmal unbeteiligt dreinblickten. Er erklärte, man habe die Leute nicht nötig, und bestellte die Gedecke künftig an eigenem Tischchen.

Dann führte er seine Damen in ihre Zimmer, mit einer anmutigen Größe, als vertrete er eroberte Provinzen. Die weißen Vorhänge flatterten von Stößen blauer Luft. Die großen eisernen Betten sahen kühl aus unter ihren Musselinzelten. In dem kleinen Salon standen die Theaterstühle in zwei Reihen an

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