Page:H.M. Zwischen den Rassen.djvu/26

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„Ganz leise! Anna darf nichts sagen: der Herr hat es verboten. Anna sollte ohne Abschied weggehen: sie kann doch nicht!“

„Du sollst nicht weggehen! Hörst du, du tust es nicht! Ich befehle es dir!“

Des Kindes Stimme brach sich vor Zorn.

„Pai läßt mich nicht hier zurück; das sind alles Lügen.“

Die Amme wiederholte nur, eintönig klagend:

„Ganz leise! Anna muß fort.“

Und in ihrem Gemurmel ging der Zorn der Kleinen allmählich unter. Sie ließ sich auf Annas Schulter fallen, gebrochen, mit Schluchzen und Bitten.

„Geh nicht fort!“

„Anna muß gehen.“

„Wenn du fortgehst, dann —“

Der Schmerz schüttelte das Kind. Es preßte sein Gesicht auf die nackte schwarze Schulter; — und mit dem öligen Geruch dieser Haut, an der es einst die ersten Atemzüge getan hatte, erhob sich die dunkle Flut seiner frühesten Erinnerungen und überschwemmte es. Lola sah, in einem aufgeregten Gedränge von Bildern, zuerst einen Palmenwald, dann viele grimassierende Negergestalten, die ihr namenlos schön erschienen, um Fleischtöpfe hocken, in die sie oft ihre Händchen getaucht hatte; sah ein Stück schäumenden, heftig blauen Meeres und die buschigen Wedel des Zuckerrohrs davor; sah Nene, den Bach und die Kurubus…

„Wenn du fortgehst,“ wimmerte sie, „dann —“

Es entstand ein Wogen großer Blumen hinter

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