Page:H.M. Zwischen den Rassen.djvu/178

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„Das heißt, daß Sie ein wenig allein sind?“

Er nickte, schmerzlich und befriedigt: wie jemand nickt, wenn sein Kerker sich öffnet und ein Leidensgefährte eintritt.

„O! Wenn ich erst singe, wird man mich verstehen, im Norden und im Süden.“

„Ich kann Ihnen mitteilen, daß Kunst sehr einsam macht.“

„Das hoffe ich nicht. Ich möchte eine Menge Anhänger und Verehrer haben.“

„Die nicht ahnen werden, wem sie anhängen und was sie verehren … Waren Sie einmal dabei, wie auf einer Variétébühne eine Frau in der Tracht ihres weitentfernten Landes ihre heimischen Tänze tanzte, und mit fremdartigen Ausrufen sich selbst anfeuerte? Man klatscht, weil sie schön ist und ihre Röcke aufflattern läßt: weiter versteht man nichts von ihr. Ihr Auftreten und ihre Bewegungen geschehen nach Antrieben und Regeln, die siebenhundert Meilen weit wegliegen; geschehen unerbittlich und in völliger Einsamkeit … Ganz oben, werden Sie vielleicht erfahren, ergeht es dem Künstler wieder so, wie dort ganz unten. Ja, seine Heimat liegt noch viel weiter fort von den Hörern: in seinen Gesichten, seinen Klängen, in Ländern, denen nur innere Sonnen scheinen…“

„Sehen Sie doch! Was macht denn der alte Baron? Jetzt legt er eine Leiter von seinem Baum auf den nächsten und rutscht hinüber … Er steigt höher; sind denn überall Treppen zwischen den Ästen? und schiebt die Leiter einen weiter. Himmel! Fast

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