Page:H.M. Zwischen den Rassen.djvu/135

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allein gelassen hatte. Lola hatte es mit Zorn erfahren. War denn der Rest Kraft, den die Alte ihr noch zu geben hatte, schon verbraucht? Die Branzilla mochte verrückt sein, wie sie wollte: sie blieb die einzige, die Lolas Stimme beherrschte, die ihre Stimme sah. Dazu taugte sie noch, dazu sammelte sich noch ihre Vernunft. Lola sagte dies den Leuten, die sie ihr weggenommen hatten. „Laßt sie doch verrückt sein: es ist meine Sache! Ich bin sie gewohnt, wie sie ist, und werde sie behüten. Gebt sie mir zurück!“ Umsonst: die Lehrerin blieb verloren; — und Lola wußte sogleich, nun sei’s zu Ende. Die Methode der Branzilla ließ einen unselbständig bis zuletzt. Lola war ohnmächtig ohne ihre Führerin. Der Weg zur Kunst, in diese neue Heimat, war verloren.

So, aus Ratlosigkeit, Haltlosigkeit geriet sie nach Barcelona, wieder in einen Schwarm, wieder an einen Mann; — und fuhr nun, enttäuscht und zum ersten Mal ganz hilflos, planlose Fahrten.

„Wer einer Heimat entgegenführe!“

 

Vom Denken, vom Begreifen und vom Sehnen war sie heiß und erregt. Aufseufzend blickte sie um sich, ohne etwas zu erkennen. Der Schiffsarzt strich in gleichen Pausen an ihr vorbei. Endlich, wie sie sich umwandte, blieb er stehen und sie mußte in seine schwermütigen Augen sehen. Ob auch sie die Gesellschaft fliehe, fragte er. Er war häßlich, und wieder nicht häßlich genug, um zu reizen. Das war, schloß

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