Page:H.M. Professor Unrat.djvu/285

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Wesen dort aussah! Etwas zwischen Spinne und Katze, mit wahnsinnigen Augen, über die farbige Schweißtropfen rannen, und mit Schaum auf dem klappenden Kiefer. Es war keine angenehme Lage, es mit gekrümmten Fangarmen überall um sich her zu haben. Was keuchte es?

Unrat keuchte unverständlich:

„Elender — — wagen es — — Fassen — — endlich fassen — — Hergeben, alles herausgeben!“

Und da entriß er Lohmann die Brieftasche und stürzte mit ihr hinaus.

Lohmann stand noch da, voll eines großen Schreckens: denn hier wurden Verbrechen begangen. Unrat, der interessante Anarchist, beging ausgemachte Verbrechen. Nun war der Anarchist eine moralische Seltsamkeit und ein wohlverständliches Extrem; das Verbrechen eine Steigerung allgemein menschlicher Neigungen und Affekte, die nichts Auffallendes hatte. Unrat aber hatte bei Lohmanns körperlicher Gegenwart seine Frau zu erwürgen versucht, und er hatte an Lohmann selbst einen Raub begangen. Da geriet denn der Kommentator ins Stocken, dem Zuschauer versagte das wohlwollende Lächeln. Lohmanns Geist, der durch so unglaubwürdige Erlebnisse noch nie erprobt worden war, warf alle Eigenart ab und antwortete auf „Verbrechen“ ganz bürgerlich mit „Polizei“. Wohl bewahrte er das Bewußtsein, dies sei kein besonders seltener Einfall, aber er sagte sich: „da hört’s auf“; und schritt stramm über das Bedenken hinweg. Ja, Lohmanns Schritt ward stramm, als er sich an die Tür zum Nebenzimmer

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