Page:H.M. Professor Unrat.djvu/258

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ordentlich aufregend. Das heißt, ganz ernst, na also wirklich im tiefsten Grunde ernst konnte man es doch nicht nehmen. Dafür spielte man selbst zu viel. Erstens spielte sie verheiratet: es war ihr unmöglich, es anders aufzufassen. Wie sie ihrem alten Unrat damals mitten auf der Straße ihre Mimi zugeschickt hatte — das war fein gewesen, dabei hatte man ordentlich was gefühlt. Und dann das Getue jetzt mit den Männern, die Fatzkereien, bis es zu was Richtigem kam, und die Masse Lügen die ganze Zeit über, daß einem bloß nichts entwischte im Beisein von Unrat — der doch natürlich ganz genau Bescheid wußte. Sie war ihm geradezu dankbar, daß er die Komödie mitspielte und von ihren täglichen kleinen Seitensprüngen noch so viel Wesens machte. Das brachte doch Leben in die Bude! Komisch, daß er sich nie daran gewöhnte.

Und dabei lag an dem Ganzen doch ihm viel mehr als ihr selbst. Manchmal führte er sich auf wie übergeschnappt und wollte von heute auf morgen irgend einen Gewissen totmachen. Er konnte es gar nicht mehr aushalten. „Ich empfehle dir den Schüler Vermöhlen. Richte dein Augenmerk — immer mal wieder — auf den Schüler Vermöhlen.“ Was hieß denn das, bitte? Brauchte man danach noch einen Menschen zu fragen? Und wenn er so darauf brannte, daß sie mit Konsul Breetpoot fertig würde?

Die Künstlerin Fröhlich zuckte die Achseln.

Unrat, den sie nicht begriff, war zuckend entrückt in wahre Sternenstürze von Leidenschaft. Seine Liebe,

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