Page:H.M. Flöten und Dolche.djvu/112

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„Du liebst mich!“ Und ich würgte an einem „Nein“.

Endlich gelangten wir, wir wußten nicht wie, in den Garten. Es war kein Mond da. Wir taumelten stumm und atemlos hintereinander her, durch schwarze Büsche. In einer Laube, in tiefer Nacht fing er mich und warf mich auf die Bank. Seine Hand lag auf meiner nackten Brust; das dreifarbige Tuch war mir längst entfallen, irgendwo im dunklen Hause. Wir fühlten, daß wir einander in die Augen sahen: und dabei unterschied keiner des anderen Gesicht. Auch spürte ich sein Herz klopfen und er meines. Ein Blatt raschelte über unseren Köpfen. Einmal meinte ich, hinter der Gartenmauer schliche ein Schritt. Wir waren bewacht. Haus und Garten und Stadt lagen schwarz und gebannt. Es gab in der Welt nur noch unsere klopfenden Herzen. Ich hatte wieder Angst, solche Angst wie noch nie. Ein Glöckchen fing an zu hämmern, ein gewisses Glöckchen mit einer aufgeregten Stimme. Mir war doch, ich hörte es wieder?“

Die alte Fulvia lauschte. Aber über den Dächern Roms war die Nacht ganz verstummt.

„Wie man sich erinnert,“ murmelte sie. „Wie wenig bedarf es.“

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