Page:H.M. Die kleine Stadt.djvu/34

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Mit einer weiten Geste enteilte er, hob die Matratze von der Domtür, glitt hinein.

„Wenn sie noch da wäre? Vielleicht erwartet sie mich! Vielleicht aber war sie ein Gesicht und nur ich hatte es?“

Die schattigen Räume mit dem Blick durchirrend:

„O Alba! Süßes Morgenlicht, gehe mir auf! Ich liebe dich. Wenn ich dich finde, will ich in dir verbrennen. Soll ich niemals lieben? Ich hasse die Weiber, die ich gehabt habe. Ich bin zwanzig Jahre, und ich will dich lieben, o Alba, immer, immer.“

Er schwankte, im Rausch seines Herzens. Als er dann hinaustrat, ging beim Glockenturm, wo es am dunkelsten war, irgend etwas hin und her, langsam immer hin und her. Der Tenor machte sich rasch herzu.

„Heda, guter Mann, sagt doch…“

„Wie?“ fragte der Kaufmann Mancafede und blieb stehen.

„Verzeihen Sie, Herr…“

Der junge Mann erwachte verwirrt. Seit einer Stunde lebte er in einer Welt von Abenteuern, denen alles Volk beiwohnte und die doch nur ihm galten. Diese Stadt und das Wunder in ihr hatten ihn erwartet. Er flog von einem zum andern als einziger Fühlender zwischen verzauberten Steinen und fragte nach der wunderbaren Frau.

„Ich wollte nur…“ stammelte er. „Mein Herr, ich bin fremd hier.“

„Man weiß“, sagte der Kaufmann. „Der Herr ist einer der Komödianten.“

„Sie werden auch begreifen, mein Herr, daß man in meinem Alter nicht immer … daß man … O, mein Herr, sie ging in den Dom.“

„Ah! in den Dom ging sie.“

„Sie kennen sie?“

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