Page:H.M. Die Armen.djvu/164

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Balrich sah sie fest an; er dachte an die Freundschaften der Frau, dank denen die Polsters sich zwei gute Zimmer halten konnten, — und der letzte war noch dazu der Spitzel Jauner. Balrich zeigte auf ihn.

„Dreh’ dich um,“ sagte er zu Polster verachtungsvoll, „damit du siehst, was eine Schande ist!“

Die Frau, grau im Gesicht, faßte sogleich den Mann an und wollte ihn fortzerren. Er aber hielt stand, denn wirklich gab es etwas zu sehen. Der Simon Jauner hatte die Hand in dem Rock des Herrn Kraft und brachte sie nicht mehr heraus, weil jemand sie festhielt. Herbesdörfer war es, dumpf stieß er aus: „Ich habe den Dieb,“ — bis seine ungelenke Stimme sich gelockert hatte, da rief er lauter als die Kugeln rollten, und hallo, alle stürzten auf einen Haufen. Lange sah man nur ein Wimmeln und Händelangen, vernahm nur Geschrei; dann kam der Gendarm. Der brachte, fest zupackend, den Jauner an das Licht, und welch einen Jauner! Zerrissen, fletschend und geifernd, das Haar auf der Nase und gelb bis in die Augen, statt der kriechenden Freundlichkeit bloß noch gelb und toll, so schrie er. Bellend schrie er, jetzt sei es gewesen, keinen kenne er jetzt mehr und alles solle heraus. „Muß ich schon fort,“ bellte er, „vorher liefere ich euch noch!“ — und schnellte

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