Bei Verben, bei denen dieselbe Silbe bald haupttonig, bald schwach betont ist, entsteht oft Verwirrung; z. B. betontes fritamm·oirci ‘du beleidigst mich’ Ml 44 b 26 neben regelrechtem fris·orcai 44 b 31. Umgekehrt mit enklitischem Verbalstamm Imperat. frithorcaid 114 a 9 neben fridoirced Wb 14 a 27. Vgl. deirbbæ Sg 66 b 15, G f. zu derb ‘sicher’, nach dem gleich darauf folgenden indeirbbæ.
Ähnliche Ausgleichungen sind wohl libuir ‘des Buchs’ für *libir aus *liβρⁱ nach dem N lebor lebur; lestair ‘des Gefäßes’ für *leistir aus *lestρⁱ nach N lestar.
162. Die Lautgruppe cht bleibt auch dunkel, wenn sie in den Silbenauslaut zu stehen kommt, ist also überhaupt der Palatalisierung unzugänglich, z. B. secht (neuir seacht) ‘sieben’ gegen deich ‘zehn’; deacht, DAsg zu deacht ‘Gottheit’ (f. ā-Stamm), G deachte deachtae. Zu der Ausnahme boicht s. § 352.
163. Konsonantengruppen im Wortanlaut werden wohl der Palatalisierung ganz zugänglich gewesen sein, wenn es auch die Schrift nicht erkennen läßt. Im Neuirischen sind, außer sp- sb- in Lehnwörtern, anlautende sm- und sr- vor hellen Vokalen nicht palatal. Doch dürfte das eine spätere Änderung sein.
Ebenso sekundär ist späteres craide croide (mit dunklem er‑) für altir. cride ‘Herz’; nach crú ‘Blut’?
164. b) Das Verhalten der u-Färbung in ähnlichen Fällen genau zu bestimmen, genügen die Beispiele nicht. Die Dative salm, folt, corp, recht (§ 277. 307) scheinen zu zeigen, daß auch im Silbenauslaut nach betontem Vokal die u-Färbung meist der dunklen wich. Doch ist rt nach hellen Vokalen u-farbig, z. B. Dsg neurt zu nert ‘Kraft’; später belegt fiurt ‘Wunder, uirtus’ (Apl immer firtu), vgl. auch spiurt ‘spiritus’; aber Dsg terc § 351. So cht nach i, z. B. riucht Dsg ‘Gestalt’, vgl. mliuchtae ‘milchend’ Ml 100 b 15 neben mlichtae 100 b 20. Vgl. auch § 307.
Nach schwachbetontem Vokal ist das Siegen der u-Färbung deutlich in do·imm-urc ‘ich beenge’ (org‑),
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