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Page:Thurneysen Handbuch des Altirischen 1 Grammatik.pdf/118

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[§160. 161.
Lautlehre. — Die Konsonanten.

aδeμ, G aδρe, so wäre im letztern Fall δρ regel­recht palatal, im erstem (bei Ver­teilung auf zwei Silben) dunkel geworden, und nach dem Schwund des δ wäre ein palatales oder ein dunkles einfaches ρ übrig geblieben.

Aber gegen eine Form *aδρeμ nach der Synkope spricht, daß ein durch Synkope vor r, l, n tretender Konsonant niemals schwindet, vgl. z. B. adrad (= aδρaδ) ‘adoratio’. Auch air- für aith-ro- § 818 ist wohl analo­gische Bildung, zeigt ja jeden­falls keine Ersatz­dehnung. Alle Beispiele mit er­haltenen Konso­nanten auf analo­gische Restivtuzion zurück­zu­führen, geht nicht an. Da ander­seits ein frühes völliges Ver­stummen des δ die Form DA áraim statt *á(i)rim nicht erklären würde, scheint die Annahme geboten, daß im alten δρ zur Zeit der Synkope das erste Element bereits eine vom gewöhn­lichen δ ver­schiedene Aus­sprache hatte, die noch genügte, das folgende ρ dunkel zu färben, aber doch den baldigen Schwund vor­bereitete. Und ent­sprechend in den andern gleich­artigen Gruppen. Auf die frühe Redukzion des ersten Konso­nanten weist wohl die Ogom-Schrei­bung celi ‘des Genossen’ Macal. 106. 216 (später céli), dessen é freilich auch sonst nicht wie ein Ersatz­dehnungs-ē behandelt ist (§ 53).

161. War durch die Synkope ein r, l, n silbisch geworden (§ 109), so nahm es vor palatalen Konso­nanten palatale Färbung an und behielt sie in der Regel auch bei, nachdem sich ein Vokal vor ihm ent­wickelt hatte, z. B. énirte Wb ‘Schwäche’ (mit rⁱtⁱ zunächst aus *énr̥te (zu nert ‘Stärke’), du·aisilbi ‘schreibt zu’ aus *·assl̥bi (zu selb ‘Besitz’), ingain(n)te ‘Un­gewöhn­lich­keit’ aus *ingn(a)the zu ingnad ‘un­gewöhn­lich’. Aber in den jüngeren Glossen tritt häufig die dunkle Färbung ein, wie nach einer betonten Silbe, z. B. énartae Ml, tabartae ‘des Gebens’ Ml 73 b 8 neben tabairte 96 a 7, erdar­caigfes 89 b 4 neben erdair­cigidir ‘rühmt’ 28 b 15.

Eine halbe Angleichung an die Form mit dem Vokal hinter der Liquida ist der Npl coisnimi Wb 7 d 13 für *coisinmi aus *cosn̥mi (zu cosnam ‘Er­streiten’) neben cosnama 7 d 12, das sich ganz nach dem Singular richtet. Vgl. aitrib­thid ‘Bewohner’ zu atrab ‘Wohnen’ (Verb ad·treba).