aδᵃ-ρeμ, G aδᵃρⁱ-μe, so wäre im letztern Fall δρ regelrecht palatal, im erstem (bei Verteilung auf zwei Silben) dunkel geworden, und nach dem Schwund des δ wäre ein palatales oder ein dunkles einfaches ρ übrig geblieben.
Aber gegen eine Form *aδρeμ nach der Synkope spricht, daß ein durch Synkope vor r, l, n tretender Konsonant niemals schwindet, vgl. z. B. adrad (= aδρaδ) ‘adoratio’. Auch air- für aith-ro- § 818 ist wohl analogische Bildung, zeigt ja jedenfalls keine Ersatzdehnung. Alle Beispiele mit erhaltenen Konsonanten auf analogische Restivtuzion zurückzuführen, geht nicht an. Da anderseits ein frühes völliges Verstummen des δ die Form DA áraim statt *á(i)rim nicht erklären würde, scheint die Annahme geboten, daß im alten δρ zur Zeit der Synkope das erste Element bereits eine vom gewöhnlichen δ verschiedene Aussprache hatte, die noch genügte, das folgende ρ dunkel zu färben, aber doch den baldigen Schwund vorbereitete. Und entsprechend in den andern gleichartigen Gruppen. Auf die frühe Redukzion des ersten Konsonanten weist wohl die Ogom-Schreibung celi ‘des Genossen’ Macal. 106. 216 (später céli), dessen é freilich auch sonst nicht wie ein Ersatzdehnungs-ē behandelt ist (§ 53).
161. War durch die Synkope ein r, l, n silbisch geworden (§ 109), so nahm es vor palatalen Konsonanten palatale Färbung an und behielt sie in der Regel auch bei, nachdem sich ein Vokal vor ihm entwickelt hatte, z. B. énirte Wb ‘Schwäche’ (mit rⁱtⁱ zunächst aus *énr̥te (zu nert ‘Stärke’), du·aisilbi ‘schreibt zu’ aus *·assl̥bi (zu selb ‘Besitz’), ingain(n)te ‘Ungewöhnlichkeit’ aus *ingn(a)the zu ingnad ‘ungewöhnlich’. Aber in den jüngeren Glossen tritt häufig die dunkle Färbung ein, wie nach einer betonten Silbe, z. B. énartae Ml, tabartae ‘des Gebens’ Ml 73 b 8 neben tabairte 96 a 7, erdarcaigfes 89 b 4 neben erdaircigidir ‘rühmt’ 28 b 15.
Eine halbe Angleichung an die Form mit dem Vokal hinter der Liquida ist der Npl coisnimi Wb 7 d 13 für *coisinmi aus *cosn̥mi (zu cosnam ‘Erstreiten’) neben cosnama 7 d 12, das sich ganz nach dem Singular richtet. Vgl. aitribthid ‘Bewohner’ zu atrab ‘Wohnen’ (Verb ad·treba).