Page:H.M. Der Untertan.djvu/302

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Guste sah sich um; sie bekam Schlitzaugen. „Dort sprechen sie auch davon“, sagte sie geheimnisvoll.

„Wovon?“ stammelte Diederich.

„Wir wissen schon. Und wer es aufgebracht hat, weiß ich auch.“

Hier brach Diederich der Schweiß aus. „Was haben Sie denn?“ fragte Guste. Buck, der durch die Seitentür nach dem Büfett schielte, sagte phlegmatisch:

„Heßling ist ein vorsichtiger Politiker, er hört nicht gern mit an, daß der Bürgermeister zwar einerseits ein guter Ehemann ist, aber andererseits auch seiner Schwiegermutter nichts abschlagen kann.“

Sofort ward Diederich dunkelrot.

„Das ist eine Gemeinheit! Wie kann jemand sich solch eine Gemeinheit ausdenken!“

Guste kicherte heftig. Buck blieb unbewegt. „Erstens scheint es Tatsache zu sein, denn die Frau Bürgermeister hat die beiden überrascht und sich einer Freundin anvertraut. Dann aber lag es ja auf der Hand.“

Guste brachte hervor: „Na Sie, Herr Doktor, wären natürlich nie darauf gekommen.“ Dabei blinzelte sie verliebt ihrem Verlobten zu. Diederich blitzte. „Aha!“ sagte er stramm. „Jetzt weiß ich freilich genug.“ Und er drehte ihnen den Rücken. Sie erfanden also selbst Gemeinheiten, noch dazu über den Bürgermeister! Diederich durfte den Kopf hoch tragen. Er stieß zu der Gruppe Kühnchens, die sich nach dem Büfett hin bewegte und ein Kielwasser von sittlicher Entrüstung hinterließ. Die Schwiegermutter des Bürgermeisters schwur mit rotem Gesicht, „diese Gesellschaft“ werde ihr Haus künftig nur noch von außen sehen, und mehrere Damen schlossen sich ihrem Vorsatz an, trotz Abraten des Warenhausbesitzers Herrn

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